FC Einheit Bad Berka e.V.

6:4 gegen Gehren - ein Spiel für die Geschichtsbücher

Norbert Block, 01.10.2019

6:4 gegen Gehren - ein Spiel für die Geschichtsbücher

24 Tore in ersten drei Kreisoberliga-Heimspielen: Die Zuschauer im Ilmtal-Stadion in Bad Berka bekommen in dieser Saison schon einiges geboten. Doch an den 6:4 (1:4)-Sieg gegen den SV Gehren werden sich Spieler, Trainer und Fans noch lange erinnern. Der Erfolg war für die Kurstädter Teambildung der besonderen Art. Denn welchem Team geling nach einem 0:4-Rückstand noch ein am Ende verdienter 6:4. Die Nerven aller Beteiligten wurden dabei über das übliche Maß hinaus strapaziert.

Die Bad Berkaer liefen an diesem Tag – wie in den letzten Spielen üblich – mit einer Viererkette auf. Diese war seit der Saisonvorbereitung vom neuen Trainer Jan Hanke mit der Mannschaft immer wieder trainiert worden. Sie sollte als eine Alternative für die in der Vorsaison funktionierende Dreierkette einstudiert und auch in den Spielen angewendet werden.

Doch an diesem 28. September funktioniert sie überhaupt nicht. Schon nach sieben Minuten wird die Abwehrformation um Kapitän Julian Creuzburg überspielt und der Kapitän des FC Einheit kann sich nur noch mit einem Foul an der Strafraumgrenze helfen. Die Gelbe Karte und ein Freistoß sind die Folge. Christian Haueisen zirkelt sie um die rechte Mauerecke ins rechte untere Eck. Ob die Mauer nicht optimal stand oder zu weit in seiner Torwartecke stand, ist am Ende egal. Der Ball ist drin.

Vier Minuten später fast die gleiche Szene. Ein langer Abschlag des Torhüters wird verlängert und Pascal Block als zweiter Innenverteidiger überspielt. Er läuft dem schnellen Gegenspieler Christian Koch nur noch hinterher und kann dessen Tor zum 0:2 nicht mehr verhindern.

Dass im Ilmtal-Stadion auch Bad Berka mitspielt und nicht nur zuschaut, wird erstmals in der 17. Minute deutlich. Ein langes Zuspiel von Pascal Block kann Stürmer Oliver Lange festmachen. Er setzt sich gegen die Gehrener Abwehrspieler durch, hebt den Ball aber über das Gebälk.

Trainer Jan Hanke setzt danach einen Impuls von außen. Paul Menger ersetzt nach nur 18 Minuten Franz Lubrich, der als Sechser vor der Abwehr im Spiel agierte. Da der jüngste im Bad Berkaer Kader aber die Offensive verbessern sollte, mussten fortan Andy Steiner und Christian Saul defensivere Aufgaben übernehmen. In der Folge können die Bad Berkaer ein weiteres Lebenszeichen von sich abgeben. Als Paul Menger den Ball im gegnerischen Strafraum erkämpft, bringt er Andy Steiner ins Spiel, der das Leder aber neben den Pfosten setzt (25.).

Die Probleme in der Abwehr bleiben aber. Als Julian Creuzburg bei einem erneuten Angriff der Gäste patzt, kommt auch Pascal Block als zweiter Innenverteidiger zu spät. Gut, dass Patrick Müller in dieser Situation im Eins-gegen-Eins klären kann (29.).

Wie die Bad Berkaer Verteidigung in dieser ersten Halbzeit wankt, wird auch sechs Minuten später deutlich. Nach einem Vorstoß über Links können sowohl Kevin Sobeck noch Pascal Block den Gehrener Spieler daran hindert, den Ball von der Grundlinie in den Fünf-Meter-Raum zu bringen. Dort steht erneut Gäste-Stürmer Christian Haueisen richtig und verwandelt zum 0:3. Keine 60 Sekunden später steht Christian Koch nahezu unbedrängt vor dem Bad Berkaer Gehäuse. Diesmal kann noch glücklich zur Ecke geklärt werden.

Im Gegenzug macht sich der FC Einheit ausnahmsweise auch einmal wieder im gegnerischen Strafraum bemerkbar. Nach einem Zuspiel seines Bruders Martin Menger ist Paul in der Box und versucht mit der Hacke Schlussmann Andreas Richter zu überraschend. Doch das Leder geht über den Querbalken (36.).

Die vermeintliche Entscheidung fällt nur kurz darauf. Diesmal wird Kevin Sobeck in der Viererkette überspielt und kann Christian Haueisen nicht mehr aufhalten. Der Stürmer des SV Gehren trifft zum dritten Mal an diesem Tag für die Gäste (38.).

Es steht 0:4. Zu diesem Zeitpunkt gibt kein Bad Berkaer noch einen Pfefferling auf die eigene Mannschaft. Von der Tribüne gibt es schon lautstarke Anweisungen für das Trainerteam und Bratwurst-Jürgen möchte den Rost am liebsten um 180 Grad wenden, damit er sich das Elend auf dem Platz nicht mehr ansehen muss.

Der Rost bleibt wie er ist. Und das wird in der Folge belohnt. Denn kurz vor dem Halbzeitpfiff sorgt ein Tor von Paul Menger nach Doppelpass mit seinem Bruder Martin für den Ehrentreffer in Durchgang eins für die Kurstädter (44.). Dieser ist für die Motivation in der Kabine aber von entscheidender Bedeutung.

Die Ansprache des Trainers in der Kabine fällt kurz aus. Wir können es noch schaffen, wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen – so der Tenor. Noch in den Schlussminuten der ersten Halbzeit hatte er sich mit Co-Trainer Tim Knappe auf eine Umstellung in der Abwehr verständigt. Fortan sollte mit Dreierkette gespielt werden, mit Julian Creuzburg als Libero und Pascal Block als zusätzliche Sechs. Ob auch die Anwesenheit von Vorstandsmitglied Rüdiger Silbermann in der Kabine für den nötigen Ruck in der Mannschaft gesorgt hat, ist nicht belegt, aber auch nicht ausgeschlossen.

In jedem Fall steht mit Beginn es zweiten Durchgangs eine ganz andere Bad Berkaer Mannschaft auf dem Kunstrasen als noch Minuten zuvor.  Beflügelt vom Anschlusstreffer kurz vor dem Halbzeitpfiff übernehmen die Kurstädter nun das Zepter auf dem Platz. Nach einem Schuss von Paul Menger landet ein Abpraller bei Martin Menger, dessen Schuss geblockt wird und zum Eckball führt. Auch zwei Minuten später sind es die beiden Brüder, die für den nächsten Akzent sorgen. Nach einem Einwurf von Martin Menger springt Paul aber knapp am Leder vorbei.

Bei den Standard-Situation ist nunmehr auch Pascal Block vor dem gegnerischen Gehäuse. Nach einem Freistoß von Christian Saul kann der Gehrener Schlussmann aber den Kopfball von Pascal entschärfen (52.). 60 Sekunden später kommen die Bad Berkaer erneut gefährlich vor das Gästetor. Andy Steiner bedient Paul Menger, der aber scheitert.

In der 62. Minute können die Gäste Oliver Lange nach Zuspiel von Paul Menger im Strafraum nur noch per Foul stoppen. Obwohl Torhüter Andreas Richter ins richtige Eck fliegt, ist er gegen den fälligen Strafstoß von Julian Creuzburg machtlos (63.). Es steht nur noch 2:4. Spätestens jetzt hat der Weckruf jeden Bad Berkaer auf dem Platz erreicht. Die Gäste sind in gleichem Maße verunsichert und beschränken sich auf fortan fast nur noch auf die Defensive.

Das wird schnell belohnt. Pascal Block schickt nur zwei Minuten später Martin Menger in die Schnittstelle. Dieser netzt aus halbrechter Position souverän zum Anschlusstreffer ein. Spätestens jetzt wissen auch die Fans auf der Tribüne, dass hier noch was geht.

Auch in der Folgezeit gibt es nun fast Chancen im Minutentakt für die Bad Berkaer. In der 68. Minute rettet ein Gehrener Verteidiger den Ball auf der Torlinie. Kurz danach gibt es Freistoß für die Kurstädter. Andy Steiner tritt aus 25 Metern an. Torhüter Andreas Richter lenkt das Leder zur Ecke über die Querlatte. Weitere drei Minuten später ist erneut Andy Steiner – auf Zuspiel von Martin Menger – zur Stelle. Doch der Ball verfehlt auch diesmal knapp das Gästetor.

Den inzwischen hochverdienten Ausgleich kann schließlich der Kapitän erzielen. Nach einer Ecke von Andy Steiner verlängert Martin Menger den Ball im Fünf-Meter-Raum. Am langen Pfosten steht Julian Creuzburg nahezu unbedrängt und schiebt das Leder ein (76.). Der Jubel auf den Rängen kennt jetzt keine Grenzen mehr. Das soll sich allerdings noch ändern.

Denn in der 81. Minute beweisen die Bad Berkaer, dass auch sie schnell spielen können. Einen Abschlag von Torhüter Patrick Müller verlängert in der Mitte Martin Menger. Der Ball kommt zu Oliver Lange, der sich im Strafraum durchsetzt und das Leder links unten versenkt. Es steht 5:4 für Bad Berka – und die Fans jubeln lautstark. Bratwurst-Jürgen hat zu diesem Zeitpunkt längst das Braten eingestellt.

In der 83. Minute hätte sich Martin Menger für sein tolles Spiel gleich noch einmal belohnen können. Doch der Pfosten verhindert dies. Für die endgültige Entscheidung sorgt schließlich Christian Saul, der von Paul Menger bedient wird, und das 6:4 (87.) markiert.

Während die Gästefans fluchtartig das Ilmtal-Stadion verlassen, sitzen die Gehrener Spieler nach dem Schlusspfiff noch minutenlang fassungslos auf dem Rasen. Die Bad Berkaer Spieler und Trainer feiern dagegen ausgelassen mit den Fans – und das noch lange nach Spielschluss. Ein Spiel für die Bad Berkaer Fußball-Geschichtsbücher ist zu Ende.


Quelle:nb